Schule im Ausland


Seit Februar 2014 lebe ich mit meiner Familie in den Niederlanden. Zu meiner Familie zählen mein Mann (Soldat) unsere Jungs im Alter von 20, 17 und 12 Jahre sowie unsere Töchter 18 und 7 Jahre. Damit natürlich nicht genug, es gibt noch ein weiteres Familienmitglied: Unseren Hund Sam (9 Jahre).
Wir leben in Hoensbroek, ein Stadtteil von Heerlen. Von hier aus braucht man über die Autobahn gerade mal 20 min bis Aachen. Sehr grenznah, somit fühlt man sich auch nicht wirklich wie im Ausland - an sich sehr schön, denn das hat mir am Anfang einfach mehr Sicherheit gegeben, einfach zu wissen, dass die meisten Menschen hier doch irgendwie gut Deutsch sprechen oder es zumindest gut verstehen. Unsere Kinder besuchten bzw. besuchen  die internationale Schule Afnorth  .
Dort gibt es eine amerikanische, eine kanadische, eine britische und eine deutsche Abteilung. Die deutsche Abteilung ist die kleinste von allen und die amerikanische die größte - um mehr über die Schule zu erfahren kann  gerne den obigen Link anklicken.

Kind  Nr. 1 hat dort Anderthalbjahre die amerikanische Abteilung besucht. Das ist  wie ein Auslandsjahr zu bewerten. Er musste dann im Anschluss zwar in Deutschland die 11. Klasse wiederholen, aber es war eine tolle Erfahrung und eine sehr schöne Zeit für ihn - das war es absolut wert - von den erworbenen Englischkentnissen ganz zu schweigen. Seine Zeit an dieser Schule war  im Sommer 2015 vorbei. Er ist dann auf deutscher Seite an ein Berufskolleg gegangen und absolviert gerade die 12. Klasse und schließt  mit dem Fachabitur im technischen Bereich ab.
Kind Nr. 2 und Kind Nr. 3 haben an dieser Schule das zweite Halbjahr der neunten Gymnasium gemacht sowie die zehnte Klasse.
Man kann es kaum glauben, aber in der Klasse waren sie genau drei Schüler! Das ist auf der einen Seite ganz toll, auf der anderen Seite aber auch ziemlich anstrengend für die Schüler und auch für den/die Lehrer. Freunde kann man sich dann auch nicht besonders viele aussuchen, gibt ja kaum Auswahl.
Da die beiden vorher an einem Gymnasium waren, an dem Latein unterrichtet wurde, hier an der internationalen Schule aber Französisch unterrichtet wird hatten wir das erste größere Problem! Aber hier hat die Schuldirektorin dann auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit die Kinder ihr großes Latinum erreichen konnten. Die Hoffnung war, dass sie dann in der kanadischen Abteilung keine zweite Fremdsprache mehr brauchen und alle nötigen Vorraussetzungen für jedwedes Studium in der Tasche haben. Was wir jedoch zu der Zeit noch nicht wussten, dass sich die Regularien kurze Zeit später ändern sollten, aber dazu später mehr.
Die Schuldirektorien organisierte für uns einen pensionierten Lateinlehrer ,der sich bereit erklärte unsere Kinder noch bis Ende  der Zehn zu unterrichten. Respekt, das war ein wirklich toller Lehrer mit Zugang zu den Kindern und hoher Motivation - trotz seiner stolzen 78 Jahre! Die Kinder hatten viel Spaß mit ihm und konnten sich beide von 4-5 auf Note 2 hocharbeiten.

Nach Erwerb der mittleren Reife sind sie in die elfte Klasse der kanadischen Abteilung gewechselt und machen derzeit dort ihr internationales Abitur (komplett auf Englisch), das Ontario-Diploma. Sie sind mittlerweile auch beide in der Zwölften, somit haben wir gerade drei Kids die jetzt Abitur machen!!! Das hat auch nicht jeder :-) …
Zum Glück finden die Verabschiedungen auch an verschiedenen Tagen statt, beim Ältesten am 28.6.2017 und bei den beiden Mittleren ist die Graduation (so heißt das wohl auf Englisch, wenn man den Schulabschluss macht) am 16.6.2017.

Ich kann es kaum glauben, dass sie dann schon ihren eigenen Weg gehen werden - gestern noch hab ich sie auf dem Arm gehalten, zumindest fühlt es sich manchmal noch so an! Der Große fängt am 1.9.2017 eine Ausbildung  zum technischen Produktdesigner an und ist gerade auf Wohnungssuche, denn dazu geht es für ihn eben zurück nach Deutschland. Die älteste Tochter studiert dann in Deutschland Neurowissenschaften, aber das dann erst zum Winter Semester, da sie erst die Zeugnisse anerkennen lassen muss und das kann leider dauern. Der mittlere Sohn geht zur Bundeswehr, wie sein Vater .-) Nein wir haben es ihm nicht eingeredet, ganz im Gegenteil, es war seine eigene Entscheidung und das wollte er schon seit er vier Jahre alt war - auch wenn mein Mann  oft mit ihm geredet  und ihm alle Vor und Nachteile aufgezählt hat, er ist mit ihm zum BiZ gefahren und war auch beim Karriere Center der Bundeswehr. Aber er wollte es trotzdem, oder auch deswegen . wer weiß!!! … Lediglich eine andere Tätigkeit, oder Verwendung sagt man beim Militär wohl, hat er sich ausgesucht. Das ist auch ganz gut so, so hab ich vielleicht ein wenig weniger Angst um ihn. Aber auch hier, für eine solche Karriere, muss ich sagen, sind die Englischkenntnisse nur zum Vorteil gewesen. Jetzt haben sie ihm sogar einen recht neuen Studiengang angeboten: DEFENCE SYSTEM heißt dieser Studiengang und ist wohl eine Mischung aus Maschinenbau, Elektrotechnik, Prozesstechnik und Mechatronik und findet komplett auf Englisch statt.

So jetzt komme ich zu den anderen beiden Kindern, Nr. 4 und Nr. 5 … Bitte nicht den Überblick verlieren .-) Kind Nr. 4 besucht in der deutschen Abteilung die 5. Klasse Realschule und mit einer Klassenstärke von 7 Jungs und einem Mädel ist das schon fast Unterricht wie an einer privaten Schule, was wir uns nie so leisten hätten können. Durch diverse Versetzungen am Standort werden nächstes Jahr wohl aber nur noch Jungs in der Klasse sein - momentan, wenn nicht noch ein Kind kommt, sind es dann alles in allem nur noch 5 Jungs. Zum Lernen sich super für unseren Sohn, da er eine LRS Störung hat. Aber auch hier muss man mit den Leuten/Mitschülern auskommen, die da sind . nicht immer wirklich einfach und es fliessen schon mal Tränen … dazu kommt erschwerend, dass Kind Nr. 4 fast zwei Jahre gebraucht hat, um sich einzuleben - er hat seine alten Freunde so sehr vermisst und es war auch sehr lange, sehr anstrengend für ihn, da er sich nun in der kleinen Klasse nicht mehr wirklich verstecken konnte, was er zuvor immer gut hinbekommen hatte - er ist nämlich ein sehr ruhiger und zurückhaltender Schüler. In seiner alten Klasse bei 24 Kindern ist er somit oft untergegangen und konnte sich so mehr schlecht als recht durchmogeln. Aber nun hat er seinen Platz gefunden und sich zu einem recht selbstbewussten Jungen entwickelt, sogar Klassensprecher ist er geworden - das wäre vor fast 3 Jahren undenkbar gewesen, das hätte er sich nie zugetraut damals.

So jetzt kommen wir zu Kind Nr. 5: Als wir hierher gezogen sind besuchte sie den zuerst den deutschen Kindergarten der gerade mal zwei Gruppen hatte, und das soweit ich mich entsinne mit pro Gruppe gerade mal 11 Kinder und dazu ein Erzieher und je eine Ergänzungskraft und die extra noch dazu die Leitung des Kindergartens. Das war echt Luxus pur! Sie ist dann auch sehr gerne dort hingegangen, also so richtig gerne. Das war noch richtig Kindergarten, wo die Kinder und die Erzieher noch Zeit mit einander verbracht haben, um schöne Dinge zu machen, nicht wie so wie wir es heute sonst aus den Kindergärten mit Notdienst und Unterbesetzung kennen. Was es zwar nicht gab waren Kinder U3, oder Kinder die noch nicht trocken waren, denn die durften den Kindergarten auch noch nicht besuchen. Das finde ich dann schon nicht mehr zeitgemäß - aber ich denke das wird sich auch in naher Zukunft noch ändern. Manche Dinge brauchen halt etwas Zeit und auch Nachdruck, denn Veränderungen sind halt nicht immer für alle so einfach zu erkennen, zu ertragen und dann auch umzusetzen. Natürlich wird es auch hier den ein oder anderen geben, der das anders sieht, aber wir fanden die Kindergartenzeit hier sehr schön und auch die Zusammenarbeit mit dem Kindergartenpersonal ganz angenehm - und wir haben insgesamt schon 5 verschiedene Kindergärten zuvor erlebt. Auch wenn man mal nicht einer Meinung war, was aber selten vor kam war es eine tolle Zeit. Jetzt besucht Kind Nr. 5 die erste Klasse, auch hier nur mit einer Klassenstärke von neun Kindern, bei sieben Mädchen und zwei Jungs. Wie es dann aber nach den Ferien aussehen wird, weiß ich momentan auch hier nicht so genau.

Das Familienleben spielt sich dann auch fast ausschließlich in und um die Schule herum ab. Der Unterricht beginnt um 9:00 Uhr und in unserem Fall kommt um 8:20 der NATO- Schulbus und sammelt die Kinder ein und bringt sie Mittags auch wieder nach Hause - direkt vor der eigenen Haustüre! Der Unterricht endet für die Grundschüler in der ersten Klasse immer um 13:50 Uhr, in der zweiten Klasse kommt dann ein langer Tag dazu - da endet der Unterricht dann um 15:30 Uhr. In der dritten Klasse haben sie dann zwei lange Tage, in der vierten Klasse drei lange Tage
Dafür bekommen die Kinder an den langen Tagen in der Grundschule in der Regel keine Hausaufgaben auf. Ab Klasse 5 sieht das dann leider wieder etwas anders aus, denn auch da gibt es drei lange Tage und es werden Ergänzungsstunden angeboten, wo die Kinder dann ggf. schon Hausaufgaben machen können. Somit hält sich das Hausaufgabenpensum dann auch in Grenzen.
Ab Klasse 6 ist dann jeder Tag lang und wie das mit den Hausaufgaben aussieht kann ich jetzt noch nicht genau sagen - das stellen wir wohl im nächsten Jahr fest und ich teile das dann zur gegebenen Zeit noch mit, versprochen, großes Indianerehrenwort!
Groß verabreden ist somit auch kaum machbar, da die Kinder erst um 16: 00 Uhr zu Hause sind. Somit finden Verabredungen meist Freitags, aber dann gleich mit Übernachtung statt, damit es sich auch lohnt. Im Gegenzug hat man aber auch das Gefühl eine Große Familie zu sein, aber auch das sehen andere vielleicht etwas anderes als wir., schließlich kann ich ja nur aus unserer Perspektive erzählen und auch hier gibt es Dinge, wie an jeder anderen Schule, die mehr oder weniger gut laufen. Wir fühlen uns im Großen und Ganzen aber wohl und sehr gut aufgehoben. Ich finde es geben sich wirklich alle Mühe für ein schönes entspanntes Schulklima zu sorgen. Was ich besonders toll finde ist, dass die Kinder zum Standard-Englischunterricht noch zusätzlich ein „Partner Language“-Programm haben, so kommen sie mehr mit der englischen Sprache in Kontakt als andere Kinder. Was ich auch ganz toll finde ist, dass Kinder aus der amerikanischen Abteilung des Öfteren zum Unterricht in die deutsche Abteilung kommen (weil unser Schulsystem und Anspruch höher ist, als bei den Amerikanern) - auch das führt dazu, dass die Kinder mehr Englisch als üblich sprechen.
Was mir hingegen nicht so gut gefällt ist, dass die Abteilungen untereinander nicht immer so gut harmonieren und eher jeder so sein Ding macht - besonders den Amerikanern fällt das oft schwer sich einzuordnen. So werden Absprachen manchmal nicht gehalten oder Informationen nicht oder nicht rechtzeitig weiter gegeben. Wenn das besser klappen würde, hätte man etwas mehr das Gefühl einer gemeinsamen internationalen Schule, denke ich zumindest.

Als wir hier angekommen sind bis jetzt, war es so dass die deutschen Kinder von einem Caterer beliefert wurden - die Ausgabe erfolgte dann über eine Elterninitiative durch jeweils zwei Elternteile, da wir mit dem amerikanischen Essen so rein gar nix anfangen konnten. Seit Jahren hatte man schon versuchte das zu ändern und dieses Jahr hat es endlich eine Einigung gegeben und man hat einen gemeinsamen Nenner gefunden. Alle Kinder bekommen dann das selbe Essen vom gleichen Zulieferer - wieder ein Stück mehr Gemeinsamkeit und mehr internationale Durchmischung. Was die deutsche Abteilung leider noch nicht bietet ist eine Mittagsbetreuung, aber auch daran wird nun mit Hochdruck gearbeitet, um eine Lösung zu finden. Dann kämen - wenn man es denn wollte - alle Kinder zur gleichen Zeit nach Hause, denn die Kinder die früher Schluss haben könnten dann in die Betreuung und/oder danach an den „After-School“-Aktivitäten teilnehmen. Viele können das bislang nicht, oder nur wenn man die Kinder abgeholt und wieder gebracht hat, was wohl der sonst fehlenden Aufsicht geschuldet war - schließlich finden diese Aktivitäten, meist Sport wie Fußball, Football, Tennis, Baseball oder Basketball, erst von 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr statt. Dann käme nämlich  dementsprechend auch ein Schulbus, der die Kinder im Anschluss nach Hause fährt. So aber genug jetzt !

Ich hoffe ich habe euch nicht gelangweilt, sondern etwas neugierig auf „MEHR“ gemacht … wenn ja, schaut doch wieder rein, denn bald geht es hier weiter … versprochen!

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